Blog 8, 9, 10, 11

Blog 8 Tag 9
Wir dürfen etwas länger schlafen, denn heute steht ausschließlich der Bustransfer nach Windhoek an. Ich freue mich auf Namibia. es ist seit ein paar Jahren eines meiner Traumziele. Diese phantastische Weite, die rote Erde und die Geschmackvoll bis edlen Camps unter einem spektakulären Sternenhimmel sind einzigartig. Dafür enttäuscht Windhoek. Die Stadt bietet so gar nichts wirklich außergewöhnliches. Gut, sie ist für eine afrikanische Stadt außergewöhnlich gepflegt und grün und es gibt sogar noch ein paar Kolonialbauten aus der deutschen Kolonialzeit. Doch wirklich attraktiv ist sie nicht.
Da ist es schon interessanter, das Hinterland kennenzulernen. Nachdem bisher alles flach war, tauscht nun hinter der Stadt eine Mittelgebirgslandschaft auf, die zwar nur ein paar Sträucher vorzuweisen hat, dafür aber spektakuläre Felsformationen.
Für mich ist sie eine weitere Premiere. Abgesehen von ein paarhundert Metern raueren Weges in Richtung Badeweiher bin ich noch nie offroad gefahren. Als das Begleitfahrzeug anhält und die Räder vom Trailer sind, stürzen sich alle sofort auf die Bikes, um sie für die nächstem Kilometer herzurichten. Nur ich nicht, denn ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, Also fotografiere ich ein bisschen und beobachte die Biker. Dass der Dreck der Straße weggewischt und ein bisschen geölt wird, verstehe ich noch. Warum alle aber nun die Luft aus den Reifen lassen, leuchtet mir nicht ein. „Dann haben die Reifen mehr Grip“ erklärt Lars, ein Student aus Dresden: „Außerdem hüpfen sie dann nicht so und das. Rad bleibt stabiler.“
Ok, dann mache ich das halt auch, ich bin froh um jede Option, die einen Sturz vermeiden kann.
Offroad zu fahren ist ziemlich anstrengend. Vor allem die Abwärtspassagen erfordern sehr viel Konzentration. Während alle anderen es brausen lassen, gebe ich die Bremsen nur sehr dosiert frei. Dadurch brauche ich mehr Kraft, wenn es wieder nach oben geht und mit der Schwung fehlt. Doch es funktioniert immer besser. Lediglich die Passagen im Sand sind richtig anstrengend.
Trotzdem bin ich froh, als wir im Camp ankommen. Ein Pool, ein eiskaltes Bier und der Sand der Wüste ist schnell wieder fortgespült.
Abends zaubert Tallis ein so phantastisches vegetarisches und außerdem ein Hähnchen-Curry auf den Tisch, dass wir wirklich verblüfft sind. Der Mann ist nicht nur ein ausgezeichneter Guide, sondern auch ein ganz ausgezeichneter Koch. Wir sitzen draußen am Lagerfeuer, über uns ist ein klarer Sternenhimmel -und draußen in der Wüste eine Stille, die ab und an nur vom Heulen einer. Hyäne unterbrochen wird. Ein Abend für die Ewigkeit.
Weitere Infos und Bilder auch auf biketourafrika.wordpress.com. Weitere Touren und meine Bücher auf http://www.muenchenvenedig.com

Blog 9 Tag 10
Mit dem frühen Aufbruch wird es nichts. Zwar stehen wir noch im Dunklen vor unseren Bikes, doch dann entdeckt Mario, einer der Mitreisenden, dass seine beiden Reifen platt sind. Als wir aufbrechen,geht bereits die Sonne auf und zaubert ein wunderbares Licht in die Landschaft. Wir kommen wieder kaum voran, da wir nun erst einmal fotografieren. Doch auch in den nächsten Stunden lohnt es sich, immer wieder stehen zu bleiben. Die Hochebene mit ihrem weiten Ausblicken ist phantastisch. Kilometer um Kilometer bin ich immer wieder verblüfft, wie spektakulär eine eigentlich karge Steppen- und Wüstenlandschaft sein kann.
Tiefe Schluchten, ehemalige Flusstäler durchbrechen die Landschaft, dann dominiert wieder das hellgelbe Strauchwerk den Blick zum Horizont. Die Hitze ist mit knapp 40 Grad mörderisch, aber ich genieße jede Sekunde auf der Schotterpiste.
Außerdem habe ich mich verliebt – es ist keine Frau – doch dazu demnächst mehr.
jetzt muss unser Guide erst einmal den Achsbruch des Anhängers reparieren – irgendwo draußen in der glühend heißen Wüste. Uns hat er vorher an einen Pool gebracht. Toller Kerl, der Tallis. Ein echter Profi halt.
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Blog 10, tag 11
An langen Schlaf ist auch heute nicht zu denken. Um 4.30 Uhr ist Wecken angesagt, ein kurzes Frühstück, und dann geht es aufs Rad. Kleine Zusatzaufgabe aufgrund des gestrigen Radbruchs: Anstatt die 62 Kilometer per Transfer zu bewältigen, müssen wir sie, weil der Anhänger noch nicht repariert ist, zusätzlich auf dem Rad bewältigen. Der Aufbruch ist ein bisschen ungewöhnlich, schließlich ist es tiefe Nacht, und wir fahren die ersten 20 Kilometer im Dunklen. Dann geht die Sonne auf und zaubert ein ganz und gar ungewöhnliches Licht auf die bisher noch grauen Bergformationen. Erst in zartem Rot-Ton, danach etwas intensiver, und schließlich leuchten die Berge rechts und links des Tales in sattem Rot. Ein unglaubliches Bild. Erst recht, als wir auf die große Düne Nummer 45 zufahren, die in einem zarten Rosa leuchtet. Die ersten Campingmobile sind bereits da, als wir sie erreichen.
Rund um die Szenerie sind einige der höchsten Sanddünen der Welt zu sehen, alle in unterschiedlichen Rottönen. Natürlich gehe ich, wie die anderen Besucher auch, ein Stück nach oben, doch dann setze ich mich einfach auf den Grad und lasse den Moment auf mich wirken. Es gibt für mich bisher drei Orte, die eine ganz spezielle Magie, eine nicht greifbare Kraft ausstrahlen: Das Tai Mahal im indischen Agra, die erste Terrasse des Sellastocks in Südtirol und eben diese Düne. Einer der Orte, die man gefühlt haben muss.
Mit Sicherheit ebenso schön ist das Hidden Vlei, die Postkartenansicht einer Dünenlandschaft, die das Bild Namibias durch die ganze Welt trägt. Es ist lediglich eine Stunde per Rad entfernt – am Ende des Sacktales. Ein weiteres Highlight dieser Reise. Genauso wie das englische Frühstück mit Speck, Rührei und frisch gebratenen Würstchen, das am Begleitfahrzeug bereits bereitsteht.
Kein Wunder, dass die 62 Kilometer zurück ein bisschen länger scheinen.
Ganz vergessen, meine neue Liebe – doch dazu morgen mehr.
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Blog 11, Tag 12
Die Königs-Etappe steht an – 140 Kilometer zum Betta-Camp. Fast ein halbes Jahr lang hatte ich mich vor dieser Strecke schon gefürchtet, jetzt sitzen wir um 5.30 Uhr auf dem Rad, und es geht los. Die Passage wird noch anstrengender als befürchtet. Keinen Meter Teerstraße werden wir fahren, es geht ausschließlich Offroad auf einer üblen Piste. Die ersten 30 Kilometer sind hart, aber immerhin ist es kühl. Allerdings hat erst Ulrike einen Plattfuß, nach insgesamt gut zehn Kilometern dann ich. Wird mir nicht mehr passieren, denke ich, denn jetzt kommt ein Pannenband in den Reifen.
Die zweite Passage – einige meiner Mit-Biker steigen jetzt bereits in den Bus – wird hammerhart. Erbarmungslos brennt die Sonne auf uns herab, der Kies, durch den wir uns quälen, wird immer tiefer. Außerdem sind ganz erstaunlich hohe Hügel mit dem Bike zu erklimmen.
Warum, bitteschön, tue ich mir das an? Wer zwingt mich, durchzuhalten? Und will ich wirklich nach den nächsten 30 Kilometern noch weitermachen?
Vielleicht hilft mir meine neue Liebe, mein Bike. Als Neuling konnte ich die Qualität des Carbon-Rades bisher noch nicht einschätzen, doch jetzt weiß ich, warum die Bikes von M1 sporttechnik keine Massenware sind. Auch die anderen Mitradler sind von dem Rad, das so herrlich leicht rollt, begeistert. Spätestens nach dieser Strecke liebe ich meine neue Freundin aus Carbon. Sie trägt mich weiter, auch wenn ich nicht mehr kann, rollt unerwartet leicht an, wenn wieder ein Sandbett auftaucht – es macht einfach Freude, mit einer solch charmanten Begleiterin unterwegs zu sein.
Nach dem Mittagessen geben die meisten auf. Lediglich Helene,Ulrike, Lutz, Mario und ich kämpfen uns weiter. Unser Guide Tallis zwangsmäßig auch, denn er sichert die Truppe nach hinten ab.
Nach der letzten Pause, 120 Kilometer sind geschafft, will Tallis abbrechen. Er fürchtet, erst im Dunklen im Ziel zu sein.
Damit bin ich gar nicht einverstanden. Gerade jetzt um 16.45 Uhr wird es etwas kühler, vielleicht nur noch 30 Grad, es ist wieder etwas leichter zu fahren. Gemeinsam mit Lutz, Ulrike und dem wieder eingestiegenen Uwe nehmen wir auch die letzten 20 Kilometer in Angriff. Sie vergehen wie im Flug. Um 18.15 Uhr, etwas mehr als zwölf Stunden nach dem Aufbruch, rollen wir in das Camp in Betta ein. Ein stiller Triumph vor allem für mich. Als Nicht-Mountainbiker zwölf Stunden Offroad durch die Wüste – vielleicht werde ich doch langsam einer von ihnen. Auch wenn mein innerer Schweinehund mich gerade lockt, morgen eine kleine Pause einzulegen. Mal sehen, wer von uns beiden gewinnt.
Weitere Infos und Bilder auch auf biketourafrika.wordpress.com. Weitere Touren und meine Bücher auf http://www.muenchenvenedig.com

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