Finale, Fazit und Dank

 Blog 19, Tag 19
Ein letztes Mal Muskelkater beim Aufstehen, ein letztes Mal im Zelt das Gepäck möglichst sinnvoll zusammenräumen, um spätere Suchaktionen zu vermeiden. Noch einmal Instantkaffee aus einem heißen Blechbecher schlürfen, und die Kette des Bikes schmieren. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich traurig bin, dass die Tour heute zu Ende geht – oder froh, dem ewigen Staub zu entrinnen?
Ich sehne es auf jeden Fall herbei, mal wieder länger als bis 4 oder 6 Uhr zu schlafen – und im Hellen zu frühstücken.
Schön, dass die ersten zwei Stunden dieses Tages auf einer Offroad-Piste stattfinden. Nicht allzu schwierig, und vor allem mit starkem Gefälle versehen. Ich genieße diese Fahrt noch einmal. Abgesehen davon ist die Landschaft ganz außergewöhnlich schön und sattgrün. Nur Zedern sind in den Zederbergen fast keine zu finden. Wer weiß, warum, kann mir eine mail schreiben an muenchenvenedig@googlemail.com. Als Preis setze ich ein handsigniertes „Abenteuer für Vater und Sohn“ -Buch aus.
Die Ankunft in einem der Vororte Kapstadts ist überwältigend. Vor uns der Atlantik, in der Bucht dahinter der Tafelberg, das Wahrzeichen der Stadt. Ich habe es tatsächlich geschafft, mit dem Mountainbike von den Victoria-Wasserfällen bis fast an die Spitze Südafrikas zu radeln. Es ist ein Gefühl, das ganz tief geht, ein Moment, den ich nie vergessen werde. Fast 1200 Kilometer waren es am Ende, und bis auf die kurze Stecke, die ich auffegend der Reifenpannen verpasst habe, habe ich tatsächlich jeden einzelnen Kilometer geschafft.
In einer Stunde werde ich nun im Pool unseres Guesthouses Red orange liegen und mit einem guten südafrikanischen Castle Lager endgültig den Staub der Straße hinunterspülen.
Hat es sich gelohnt, die Mühen auf sich zu nehmen, war das Ziel die Anstrengung wert? Ja, uneingeschränkt. es war ein großes Erlebnis, ein Sieg der Willenskraft – und auch als journalistisches Experiment ein Erfolg. Kann ein ganz normaler Familienvater, ein Mountainbike-Greenhorn eine Strecke wie diese bewältigen. Schafft er es körperlich, psychisch und technisch. Ein klares ja, auf das ich in meinem Buch noch ausführlich eingehen werde. Vor allem, wenn jemand so so aufmunternde Mitradler auf seiner Seite hat wie ich? Ulrike, Lutz, Lars und Uwe. Ihr seid mir vor allem moralisch eine große Unterstützung gewesen. Denn so ganz einfach war es dann doch nicht für mich. Vielen Dank auch meiner Frau Sibylle, vor allem für ihre intensive Unterstützung in den letzen Tagen vor der Abreise.
Noch eine Anmerkung für alle, die meine Texte mit dem Google-Translator übersetzt haben und auf ein verblüffendes Detail unserer Tour stießen: Es trifft nicht zu, dass unser Guide Tallis für das Auftragen der Gesäß-Creme vor dem täglichen Los-Radeln zuständig war. Das hat jeder selbst gemacht.
Abschließend die alles entscheidende Frage: Würde ich meinen Lesern raten, dieses oder ein ähnliches Abenteuer zu wagen? Ich möchte mit einem sinngemäßen Zitat von John Ford antworten: „Die Anzahl derjenigen, die ein Wagnis nicht eingehen, ist weit größer als die Anzahl derjenigen, die daran gescheitert sind.“ In diesem Sinne auch mein Appell: Schiebt nichts auf, lebt heute, haltet jeden Tag, und sei es auf dem Weg zurück von der Arbeit, Ausschau nach irgend etwas, das euch emotional berührt. Probiert alles aus,was ungewöhnlich, vielleicht sogar ein bisschen verrückt ist. Und wenn ihr zurückdenkt, werdet ihr vielleicht das gleiche Fazit ziehen wie ich heute: „Natürlich bin ich auf dieser Tour an meine Grenzen gegangen, und manchmal sogar darüber hinaus. Aber ich habe drei Wochen lang so richtig gelebt.“
Ich empfehle euch auch meine beiden bisherigen Bücher: „Mit zwei Elefanten über die Alpen. Eine Familie wandert von München nach Venedig.“ und „Abenteuer für Vater und Sohn.“ Bei Amazon, in jeder Buchhandlung und handsigniert auf www.muenchenvenedig.com.
 Sehr herzlich bedanken möchte ich mit bei allen, die diese Traum möglich gemacht haben: Hauser Exkursionen, Jack Wolfskin, m1 sporttechnik, Goalzero, Gonso, Topeak, Olympus und allen anderen
IMG_537116 cool, akkus laden per solarpanel von15 Nähe des Kaps der guten Hoffnung11 Gerhard von Kapff10 endlich am Strand, im Hintergrund der Tafelberg8 endlich am Strand, im Hintergrund der Tafelberg7 endlich am Strand, im Hintergrund der Tafelberg6 waterfront kapstadt5 zur Belohnung ein Kapstadt-Burger - mir richtig viel Fleisch, so wie es der Südafrikaner mag4 endlich am Strand3b in richtung KapstadtIMG_537116 cool, akkus laden per solarpanel von13 am Kap der guten Hoffnung12 b Mitreisende auf dem Bike waren Elefant Kuschlie (Hauptprotagonist des Buches Mit zwei Elefanten über die Alpen. Eine Familie wandert von München nach Venedig) und xaver (www.xaver-will-mit.de12 am Pinguin-Strand
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Weinprobe in der cederberg wilderness

Blog 18, Tag 18
Ich hätte gewarnt sein müssen. Unser Guide Tallis hat uns einerseits ein selbstbewusstes Lächeln aufs Gesicht gezaubert, als er verkündete, die heutige Strecke würde nach 75 Kilometern enden. Andererseits war der Aufbruch bereits um 7.30 Uhr (Frühstück im Dunklen um 6 Uhr). Und die Rückkehr ins Camp wäre erst zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Irgendwie passt das alles nicht zusammen.
Nach 30 Minuten wissen wir mehr. Der Guide hetzt uns den Uitkyk-Pass nach oben, der neun Kilometer lang ist, zwölf Prozent Steigung hat und 500 Höhenmeter aufweist. Ich habe zeitweise Mühe, mein Frühstück bei mir zu behalten, aber irgendwie geht es dann doch. Man muss nur einfach wirklich wollen.

Danach führt der Weg lange über eine weite, von virtuosen Steinformationen geprägte Hochebene. Vorläufiger Endpunkt ist ein Weinproduzent. Von hier aus startet entweder ein Abstecher zu Höhenmalereien oder für die richtig guten Fahrer ein Single Trail. Höhlenmalereien, meint auch Lutz, findest du in Berlin unter jeder Brücke, und der Trail ist mir zu anstrengend. Die Alternative: Eine Weinprobe ganz alleine mit dem Winzer. Ich brauche keine Sekunde, um mich zu entscheiden.
Am Abend werde ich ein bisschen melancholisch. Die anderen stehen ums Feuer und unterhalten sich angeregt. Ist nur mir bewusst, dass dies ein vorläufiger Endpunkt ist? Wir werden in dieser Konstellation nie wieder ums abendliche Feuer stehen, und später mit den Tellern auf den Knien zu Abend essen.
Ab morgen übernachten wir in Kapstadt im Guest House, heute ist unsere letzte Nacht im Zelt und in der Wildnis. Ich habe diese so unterschiedliche und widersprüchliche Truppe in den vergangenen drei Wochen immer mehr zu schätzen gelernt. Mädels und Jungs, mit Euch könnte ich auch um die Welt radeln! Nur über die unterschiedlichen Interessen – die einen wollen lieber Rennen fahren, die anderen stehen bleiben und fotografieren – müssten wir noch einmal reden.
Ich freue mich jedenfalls schon darauf, Euch meinen Lesern in dem Buch, das nach der Tour entstehen wird, ein Stück näher zu bringen.
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Blog 16 phantastische Zederberge

Tag 17
Ein langer Transfer führt uns erst an die Grenze Namibias und dann zu den berühmten Zederbergen Südafrikas. Ich lasse Namibia nur ungern hinter mir. Es hat alle Erwartungen weit übertroffen, die Kargheit, die Farben und die Naturschönheiten zählen zum Besten, was ich je gesehen habe. Ein großartiges Land. Ein Land, das auch für einen zweiten Besuch vor allem im Norden noch viel zu bieten hat.

In Südafrika ist alles anders. Zumindest optisch. Die Häuser und Geschäfte in Springbok erinnern mit ihren flachen Dächern an amerikanische Kleinstädte, und auch die Landschaft verändert sich. Die karge Vegetation weicht einem zarten, grünen Flaum und wird schließlich zu einer sattgrünen Landschaft, in der hohe Fichten wachsen, Bäche und Flüsse die Landschaft durchziehen. Die Wiesen und sanften Hügel erinnern ein bisschen an die bayerischen Voralpen.
Doch dann erreichen wir die Cederberg Wilderness. Eine spektakuläre Landschaft mit hohen Tafelbergen und sattgrünen Tälern. Ein bisschen Dolomiten, ein bisschen Grand Canyon-Style – aber auf jeden Fall einzigartig.
Unser Camp liegt wildromantisch an einem Fluss. Wir sind weit oben, auf einer der Hochebenen. Eiskalt ist es nachts, kein Vergleich zu dem lauen Abend gestern in Namibia, und deshalb verschwinden alle bald in ihren Zelten.
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Traumlandschaft am Orange River

Blog 15 und 16
Tag 16
Fast, aber nur fast ist Ausschlafen angesagt. Um 7 Uhr gibt es Frühstück, wie immer Müsli, Tee und Kaffee – eine Stunde später ist Abfahrt. Während wir Frühstücken, bauen unsere Guides die Zelte ab und verstauen sie schon einmal im Begleitfahrzeug, um schneller loszukommen. Dabei ist heute keine Eile. Ein relativ kurzer Bustransfer von zweieinhalb Stunden – eine Strecke, die ich zumindest zur Hälfte liebend gerne mit dem Bike gefahren wäre – dann sind wir am Camp des Grenzflusses Orange River. Es ist ein Traum von Camp: Das „Felix unite“ liegt ein paar Stufen über dem Fluss, hat einen elegant geschwungenen Pool, dessen Rundung der Biegung des Flusslaufes nachempfunden ist und kleine, strohgedeckte Hüttchen mit Blick auf den Orange River,. Außerdem ein teilverglastes, rundes Restaurant und eine lauschige Bar mit Terrasse. Auf der anderen Flussseite beginnt bereits Südafrika. Ein kleines Paradies, an dem ich noch tagelang aushalten könnte. Immerhin wäre es interessant, auch die Umgebung auszukundschaften.
Doch morgen geht es weiter, und daher bleibt nur der Nachmittag, um diese grandiose Naturkulisse auszukosten.
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Blog 14

Blog 14, Tag 15
Meine Stimmung ist auch heute nicht sonderlich gut. Wie auch, angesichts einer Weckzeit von 5.30 Uhr. Eine Stunde später müssen wir aufs Rad Lust habe ich überhaupt keine.

Doch dann geht es unerwartet flott voran, die Sonne scheint in den Canyon, an dessen Rand wir entlangfahren und ich fühle mich wie neu geboren. Schon nach fünf Minuten erkenne ich, dass meine Muskulatur endlich angekommen ist in Afrika, dass ich fit bin, endlich keinen Muskelkater mehr habe und heute die Fahrt so richtig genießen kann. 70 Kilometer sind es bis Ai Ais, und ich genieße jetzt jeden Meter. Kein Berg erscheint mehr unbezwingbar, mein Rad und meine Stimmung steigen mühelos nach oben.
Ich bin nicht mehr am Ende der Gruppe, sondern in der Mitte – selbst dass ich meine Trinkflasche auf einer Schotterpiste verliere, trübt die Stimmung nicht. Bereits um 10.30 Uhr sind wir am Ziel, bei den heißen Quellen von Ai Ais. Endlich ist Nachmittags frei und wir stürzen uns nach der zügigen Fahrt durch die staubige Wüste erleichtert in die Fluten.
Schade, dass morgen ein Ruhe- und Transfertag anstehen. Aber immerhin werden wir morgen erstmals Südafrika sehen.
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Blog 13

Blog 13, Tag 14
Es fällt ein bisschen schwer, dieses traumhafte Ambiente zu verlassen. Dieses kleine Koch-, und das etwas größere Toilettenhäuschen, die da an den gewaltigen Sandsteinblock angelehnt sind, könnten auch irgendwo im Westen Amerikas stehen.
Aufbruch ist erneut um 6.30 Uhr, Wecken also um 5.30 Uhr. Wir haben heute eine lange Transferzeit zum Fish River Canyon vor uns. Eigentlich sollten es vier Stunden sein, doch wir kommen erst um 15.30 Uhr an. Ich habe fast die ganze Busfahrt geschlafen, sogar geträumt. Irgendwie bin ich körperlich fertig. Als dann auch mein Schlauch erneut Luft verliert und ich daher nicht einmal in den Pool kann, bevor wir um 16 Uhr erneut aufbrechen, ist meine Stimmung am Tiefpunkt. Irgendwie reicht es mir jetzt. Die enormen Anstrengungen, die wenigen Ruhepausen, die Hitze, und jetzt auch noch der Verzicht auf den nebenan plätschernden Pool. Ich könnte alles hinwerfen. Außerdem habe ich keine Lust, jetzt auch noch zehn Kilometer zum Aussichtspunkt des Fish River Canyon zu radeln – in das Begleitfahrzeug zu steigen, will ich aber erst recht nicht. Mit Todesverachtung radle ich los, ich will einfach nur meine Ruhe haben. Wir fahren direkt gegen die Sonne, die Hitze brennt mir ins Gesicht, außerdem geht es diese zehn Kilometer ausschließlich aufwärts – klar, ist ja ein Aussichtspunkt. Meter um Meter quäle ich mich nach oben, habe das Gefühl, nun endgültig keine Kraft mehr in den Beinen zu haben. Daher kann mich die Aussicht auf den zweitgrößten Canyon der Welt auch nicht recht begeistern. Dabei ist die Kulisse wirklich traumhaft – ein Stück USA, mitten in Namibia.
Wahrscheinlich setze ich mich heute Abend besser alleine auf eine Düne, schaue in den Sternenhimmel, trinke ein Bier und gehe dann früh ins Bett. Punkt zwei und drei treffen zu, aber ich bleibe dann doch bei den anderen am Lagerfeuer sitzen. Keine Ahnung, ob der Tag morgen besser wird. Ich bin gespannt.
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Blog 12

Blog 12, Tag 13
Meine Oberschenkel sind ein einziger Muskelkater. Vorne ohnehin, doch auch die Rückseite zieht von der bis nach unten. Außerdem bin ich unendlich schlapp. Ich lasse daher bis nach dem Frühstück offen, ob ich heute fahre oder im Begleitfahrzeug bleibe. Am Ende siegt doch der Ehrgeiz, ich steige aufs Rad. Ein bisschen mühsam zwar, aber egal, es wird schon gehen. Nachdem zuerst Ulrike einen Platten hat, folge kurz danach erneut ich. In Windeseile werden die Schläuche gewechselt, die Innenseiten der Reifen nach Dornen abgesucht – ich finde sechs Stück – und dann geht es weiter. Nicht lange allerdings. Nach gut 15 Kilometern entweicht erneut die Luft, diesmal vorne. Was eigentlich nicht sein kann, da im Vorderreifen das Pannenband steckt. Doch als hätte es der Dorn, er sieht aus wie der Stachel einer Rose, geahnt: Er hat sich direkt neben dem Band in den Schlauch gebohrt.
Da ich keinen weiteren Ersatzschlauch mehr habe, muss ich nun im Begleitfahrzeug mich. So richtig traurig bin ich nicht. Ich bin nach dem gestrigen Tag noch unendlich ausgelaugt.
Umso schöner, dass Tallis uns ein phantastisches Plätzchen für die Nacht ausgesucht hat. Inmitten der Wüste, ruht auf einer kleinen Anhöhe ein gewaltiger Felsblock. Daran angelehnt ein kleines Häuschen mit improvisierter Küche und Bad. Nur die Dusche funktioniert nicht. Kein Problem – für diesen Traumplatz, der einem Abenteurer-Katalog entnommen sein könnte, nehme ich das gerne in Kauf.
Abgesehen davon werden wir morgen den zweitgrößten Canyon der Welt sehen. Es dürfte interessant werden.
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Blog 8, 9, 10, 11

Blog 8 Tag 9
Wir dürfen etwas länger schlafen, denn heute steht ausschließlich der Bustransfer nach Windhoek an. Ich freue mich auf Namibia. es ist seit ein paar Jahren eines meiner Traumziele. Diese phantastische Weite, die rote Erde und die Geschmackvoll bis edlen Camps unter einem spektakulären Sternenhimmel sind einzigartig. Dafür enttäuscht Windhoek. Die Stadt bietet so gar nichts wirklich außergewöhnliches. Gut, sie ist für eine afrikanische Stadt außergewöhnlich gepflegt und grün und es gibt sogar noch ein paar Kolonialbauten aus der deutschen Kolonialzeit. Doch wirklich attraktiv ist sie nicht.
Da ist es schon interessanter, das Hinterland kennenzulernen. Nachdem bisher alles flach war, tauscht nun hinter der Stadt eine Mittelgebirgslandschaft auf, die zwar nur ein paar Sträucher vorzuweisen hat, dafür aber spektakuläre Felsformationen.
Für mich ist sie eine weitere Premiere. Abgesehen von ein paarhundert Metern raueren Weges in Richtung Badeweiher bin ich noch nie offroad gefahren. Als das Begleitfahrzeug anhält und die Räder vom Trailer sind, stürzen sich alle sofort auf die Bikes, um sie für die nächstem Kilometer herzurichten. Nur ich nicht, denn ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, Also fotografiere ich ein bisschen und beobachte die Biker. Dass der Dreck der Straße weggewischt und ein bisschen geölt wird, verstehe ich noch. Warum alle aber nun die Luft aus den Reifen lassen, leuchtet mir nicht ein. „Dann haben die Reifen mehr Grip“ erklärt Lars, ein Student aus Dresden: „Außerdem hüpfen sie dann nicht so und das. Rad bleibt stabiler.“
Ok, dann mache ich das halt auch, ich bin froh um jede Option, die einen Sturz vermeiden kann.
Offroad zu fahren ist ziemlich anstrengend. Vor allem die Abwärtspassagen erfordern sehr viel Konzentration. Während alle anderen es brausen lassen, gebe ich die Bremsen nur sehr dosiert frei. Dadurch brauche ich mehr Kraft, wenn es wieder nach oben geht und mit der Schwung fehlt. Doch es funktioniert immer besser. Lediglich die Passagen im Sand sind richtig anstrengend.
Trotzdem bin ich froh, als wir im Camp ankommen. Ein Pool, ein eiskaltes Bier und der Sand der Wüste ist schnell wieder fortgespült.
Abends zaubert Tallis ein so phantastisches vegetarisches und außerdem ein Hähnchen-Curry auf den Tisch, dass wir wirklich verblüfft sind. Der Mann ist nicht nur ein ausgezeichneter Guide, sondern auch ein ganz ausgezeichneter Koch. Wir sitzen draußen am Lagerfeuer, über uns ist ein klarer Sternenhimmel -und draußen in der Wüste eine Stille, die ab und an nur vom Heulen einer. Hyäne unterbrochen wird. Ein Abend für die Ewigkeit.
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Blog 9 Tag 10
Mit dem frühen Aufbruch wird es nichts. Zwar stehen wir noch im Dunklen vor unseren Bikes, doch dann entdeckt Mario, einer der Mitreisenden, dass seine beiden Reifen platt sind. Als wir aufbrechen,geht bereits die Sonne auf und zaubert ein wunderbares Licht in die Landschaft. Wir kommen wieder kaum voran, da wir nun erst einmal fotografieren. Doch auch in den nächsten Stunden lohnt es sich, immer wieder stehen zu bleiben. Die Hochebene mit ihrem weiten Ausblicken ist phantastisch. Kilometer um Kilometer bin ich immer wieder verblüfft, wie spektakulär eine eigentlich karge Steppen- und Wüstenlandschaft sein kann.
Tiefe Schluchten, ehemalige Flusstäler durchbrechen die Landschaft, dann dominiert wieder das hellgelbe Strauchwerk den Blick zum Horizont. Die Hitze ist mit knapp 40 Grad mörderisch, aber ich genieße jede Sekunde auf der Schotterpiste.
Außerdem habe ich mich verliebt – es ist keine Frau – doch dazu demnächst mehr.
jetzt muss unser Guide erst einmal den Achsbruch des Anhängers reparieren – irgendwo draußen in der glühend heißen Wüste. Uns hat er vorher an einen Pool gebracht. Toller Kerl, der Tallis. Ein echter Profi halt.
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Blog 10, tag 11
An langen Schlaf ist auch heute nicht zu denken. Um 4.30 Uhr ist Wecken angesagt, ein kurzes Frühstück, und dann geht es aufs Rad. Kleine Zusatzaufgabe aufgrund des gestrigen Radbruchs: Anstatt die 62 Kilometer per Transfer zu bewältigen, müssen wir sie, weil der Anhänger noch nicht repariert ist, zusätzlich auf dem Rad bewältigen. Der Aufbruch ist ein bisschen ungewöhnlich, schließlich ist es tiefe Nacht, und wir fahren die ersten 20 Kilometer im Dunklen. Dann geht die Sonne auf und zaubert ein ganz und gar ungewöhnliches Licht auf die bisher noch grauen Bergformationen. Erst in zartem Rot-Ton, danach etwas intensiver, und schließlich leuchten die Berge rechts und links des Tales in sattem Rot. Ein unglaubliches Bild. Erst recht, als wir auf die große Düne Nummer 45 zufahren, die in einem zarten Rosa leuchtet. Die ersten Campingmobile sind bereits da, als wir sie erreichen.
Rund um die Szenerie sind einige der höchsten Sanddünen der Welt zu sehen, alle in unterschiedlichen Rottönen. Natürlich gehe ich, wie die anderen Besucher auch, ein Stück nach oben, doch dann setze ich mich einfach auf den Grad und lasse den Moment auf mich wirken. Es gibt für mich bisher drei Orte, die eine ganz spezielle Magie, eine nicht greifbare Kraft ausstrahlen: Das Tai Mahal im indischen Agra, die erste Terrasse des Sellastocks in Südtirol und eben diese Düne. Einer der Orte, die man gefühlt haben muss.
Mit Sicherheit ebenso schön ist das Hidden Vlei, die Postkartenansicht einer Dünenlandschaft, die das Bild Namibias durch die ganze Welt trägt. Es ist lediglich eine Stunde per Rad entfernt – am Ende des Sacktales. Ein weiteres Highlight dieser Reise. Genauso wie das englische Frühstück mit Speck, Rührei und frisch gebratenen Würstchen, das am Begleitfahrzeug bereits bereitsteht.
Kein Wunder, dass die 62 Kilometer zurück ein bisschen länger scheinen.
Ganz vergessen, meine neue Liebe – doch dazu morgen mehr.
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Blog 11, Tag 12
Die Königs-Etappe steht an – 140 Kilometer zum Betta-Camp. Fast ein halbes Jahr lang hatte ich mich vor dieser Strecke schon gefürchtet, jetzt sitzen wir um 5.30 Uhr auf dem Rad, und es geht los. Die Passage wird noch anstrengender als befürchtet. Keinen Meter Teerstraße werden wir fahren, es geht ausschließlich Offroad auf einer üblen Piste. Die ersten 30 Kilometer sind hart, aber immerhin ist es kühl. Allerdings hat erst Ulrike einen Plattfuß, nach insgesamt gut zehn Kilometern dann ich. Wird mir nicht mehr passieren, denke ich, denn jetzt kommt ein Pannenband in den Reifen.
Die zweite Passage – einige meiner Mit-Biker steigen jetzt bereits in den Bus – wird hammerhart. Erbarmungslos brennt die Sonne auf uns herab, der Kies, durch den wir uns quälen, wird immer tiefer. Außerdem sind ganz erstaunlich hohe Hügel mit dem Bike zu erklimmen.
Warum, bitteschön, tue ich mir das an? Wer zwingt mich, durchzuhalten? Und will ich wirklich nach den nächsten 30 Kilometern noch weitermachen?
Vielleicht hilft mir meine neue Liebe, mein Bike. Als Neuling konnte ich die Qualität des Carbon-Rades bisher noch nicht einschätzen, doch jetzt weiß ich, warum die Bikes von M1 sporttechnik keine Massenware sind. Auch die anderen Mitradler sind von dem Rad, das so herrlich leicht rollt, begeistert. Spätestens nach dieser Strecke liebe ich meine neue Freundin aus Carbon. Sie trägt mich weiter, auch wenn ich nicht mehr kann, rollt unerwartet leicht an, wenn wieder ein Sandbett auftaucht – es macht einfach Freude, mit einer solch charmanten Begleiterin unterwegs zu sein.
Nach dem Mittagessen geben die meisten auf. Lediglich Helene,Ulrike, Lutz, Mario und ich kämpfen uns weiter. Unser Guide Tallis zwangsmäßig auch, denn er sichert die Truppe nach hinten ab.
Nach der letzten Pause, 120 Kilometer sind geschafft, will Tallis abbrechen. Er fürchtet, erst im Dunklen im Ziel zu sein.
Damit bin ich gar nicht einverstanden. Gerade jetzt um 16.45 Uhr wird es etwas kühler, vielleicht nur noch 30 Grad, es ist wieder etwas leichter zu fahren. Gemeinsam mit Lutz, Ulrike und dem wieder eingestiegenen Uwe nehmen wir auch die letzten 20 Kilometer in Angriff. Sie vergehen wie im Flug. Um 18.15 Uhr, etwas mehr als zwölf Stunden nach dem Aufbruch, rollen wir in das Camp in Betta ein. Ein stiller Triumph vor allem für mich. Als Nicht-Mountainbiker zwölf Stunden Offroad durch die Wüste – vielleicht werde ich doch langsam einer von ihnen. Auch wenn mein innerer Schweinehund mich gerade lockt, morgen eine kleine Pause einzulegen. Mal sehen, wer von uns beiden gewinnt.
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Blog 7

Blog 7 Tag 8
120 Kilometer mit dem Rad durch die Steppenlandschaft. Botswanas. Knapp 40 Grad und die Frage, ob ich das durchhalte. Ich bin noch nie so weit mit einem Rad, geschweige denn mit einem Mountainbike gefahren. Aber auch die anderen haben Respekt vor dieser Strecke. Deshalb protestiert auch niemand, als Tallis die Weckzeit auf 4 Uhr morgens festlegt. Eine halbe Stunde später gibt es Frühstück, während die Guides bereits die Zelte abbauen, und dann steigen wir noch inder Dunkelheit in den Bus. Wir wollen möglichst weit kommen, ehe die Sonne aufgeht und einen Tag begrüsst, der heiß werden wird. Seltsamerweise sind wir alle erstaunlich each -vielleicht ist es auch bei den anderen die Anspannung, ob wir die Strecke schaffen werden.
Eine gute halbe Stunde später ist es so weit. Wir nehmen die Räder vom Anhänger, und dann geht es los. Jeder nach seinem eigenen Tempo, immer in Richtung Westen, nach Namibia. Tallis will auf keinen Falle, dass wir uns gegenseitig ausbremsen.
Passiert aber heute dennoch zwei Mal, da Ulrike direkt hintereinander zwei Radpannen hat. Geflickt wird hier nichts, wir wechseln den Schlauch, und dann gehts weiter.
Immer heißer wird es, es geht gegen Mittag zu, und wir haben nur noch 30 Kilometer vor uns. Knappe eineinhalb Stunden später sind wir im Ziel. Ich bin verdammt stolz auf mich, auch wenn Radprofis nun lächeln werden. Da mir aber auch die anderen gratulieren und selbst froh sind,die Strecke geschafft zu haben, weiß ich, dass dieser Abschnitt ein bisschen mehr als Standard war. Wieder einmal ein eindrucksvoller Tag in Afrika. Lustig. Fast tun mir die Bustouristen leid, nachdem ich höre, dass sie klagen, wieder stundenlang im Bus zu sitzen. Ganz offen – auf dem Rad ist das gar kein Problem. Der Fahrtwind sorgt immer für eine angenehme Brise, sogar Mittags.
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Blog 6

Blog 6 Tag 7
Kann es noch phantastischer werden, die Natur zu erleben? Noch eindrucksvoller als dieser gestrige Tag in der Wildnis Namibias? Ich weiß es nicht. Ich weiß lediglich, dass der Helikopterflug über das größte Binnendelta der Erde, das Okavango-Delta (100 Euro für 25 Minuten incl. actioncam-Video und Fotos) als eines der eindrucksvollsten Erlebnisse meines Lebens in Erinnerung bleiben wird. Ein Naturerlebnis sondergleichen – ein einziger Traum in dem ich noch einmal die Big Five der Tierwelt aus einer ganz anderen Perspektive und inmitten der Hunderttausenden Inseln dieses Naturparadieses sehe.
Danach stellt sich eine leichte Nervosität ein. Am morgigen Tag steht eine der längsten Etappen dieser Tour an, 120 Kilometer von Maun in Richtung Gandzi. In glühender Hitze eine Raddistanz, die ich noch nie zuvor gefahren bin.
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Blog 5

blog tag 6
Das Rad bleibt heute stehen, es geht per Jeep in den Nationalpark Moremi Wildlife Reserve im Okavango-Delta. Die Gefahr, mit dem Bike auf Löwen oder Hyänen oder Elefanten zu treffen, ist einfach zu groß. Ganz abgesehen davon, dass die Wege so sandig sind, dass selbst der Jeep immer wieder stehenzubleiben droht.
Unglaublich groß ist das Okavango-Flussdelta mit seinen gewaltigen Inseln. Es hat in etwa die Größe von Schleswig-Holstein. Gerade im südlichen Afrika ist das eigentlich eine einzige Wasserverschwendung. 95 Prozent des Wassers verdunsten. Um das Delta herum herrscht währenddessen Trockenheit. Ganze dreieinhalb Stunden dauert die Fahrt ins Delta, ehe wir die Zelte an einem wüstenähnlichem Camp aufschlagen. Ein paar Bäume, dürre Sträucher, ansonsten nur Sand. Und Hitze. So große Hitze, dass ich froh bin, heute auf Safari, und nicht auf dem Rad unterwegs zu sein.
Die Fahrt in dem Jeep ist zunächst ziemlich ernüchternd, doch unser Ranger kennt sich perfekt aus. Zunächst kaum zu sehen, tauchen im Buschwerk Antilopenherden auf, vereinzelte Elefanten, ab und an ein paar Giraffen. Dann eine Löwin, schon ziemlich alt, die uns unbewusst zu ihrer Familie fährt. Vier kleine Löwen, in etwa sechs Monate alt, verzehren mit zwei weiteren Löwen eine Antilope. Blutverschmiert ist das Maul der einen Löwin, einer der kleinen kaut – ein etwas pittoresker Anblick – mit seinen Zähnen auf dem Unterkiefer der Antilope herum. Keine drei Meter bin ich von dem Gemetzel entfernt, doch das Auto stört die Tiere nicht. Ab und an sehen sie uns an, wohl wissend, dass wir es nicht wagen würden, ihnen nur einen halben Meter näher zu kommen.
Noch spektakulärer wird die Rückfahrt. Langsam müssen die Tiere nun zu den Wasserlöchern, und dass weiß der Ranger ganz genau. Herden von bis zu gut 100 Elefanten ziehen an uns vorbei, Zebras in gewaltiger Anzahl, Wasserbüffel, Antilopen und hunderte anderer Tiere. Es sind magische Momente, Bilder die nie wieder aus dem Kopf verschwinden werden. Tallis, unser Bike-Guide hat inzwischen gegrillt. Steaks, Gemüse und Fisch. Phantastisch, der Mann kann kochen – und hat ohne es zu wissen ein köstliches Essen zu meinem 50. Geburtstag zubereitet. Klar, dass ich eine Runde Büchsenbier ausgebe, am Ende eines unfassbar schönen Tages.
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Blog 4

Blog 4, Tag 5
Gute 70 Kilometer stehen heute an. Ein herrlicher Morgen, ich liebe diese Zeit der Dämmerung. Der Tag und die Luft sind noch frisch sind, und die afrikanische Sonne erhebt sich spektakulär aus der Savanne.
Elefanten queren die Straße, und wir bleiben in sicherer Entfernung stehen. Wer weiß, wie sich die Tiere verhalten, wenn plötzlich knallbunt gekleidete Radler in Mountainbikes an ihnen vorbeibrechen, lautstark staunen und gleichzeitig fotografieren? Es ist faszinierend, diese mächtigen Tiere zu sehen, die, wie bei uns im Allgäu eine Kuhherde, einfach mal die Straßenseite wechseln. Rechts stürmen plötzlich eine Handvoll Zebras vorbei. Viel schneller als wir Radler, und viel zu schnell, um sie fotografieren zu können.Was bleibt, ist das Staunen über die Eleganz und Geschwindigkeit dieser Tiere.
Es wird immer heißer und meine Kondition schwindet. Wasser, Riegel oder zuckerhaltige Fruchtgummis, nichts verleiht mir noch tatsächlich mehr Kräfte. Immer langsamer werde ich, krieche auf dem Rad dahin. Eine Mitradlerin, Ulrike, fährt neben mir her, unterhält sich mit mir und sorgt, wahrscheinlich ohne dass ich es weiß, dafür, dass ich durchhalte. Die Hitze ist mörderisch, und als am Eingang eines Nationalparks das Begleitfahrzeug auftaucht, bin ich richtig erleichtert. Viel länger hätten ich – und mein maximalgeprellter Allerwertester – das nur schwer ausgehalten.
Jetzt ins Camp, und ab 15 Uhr tatsächlich ein paar Stunden, um zu relaxen. Ein wunderbar-anstrengender Tag neigt sich dem Ende entgegen, und es ist jetzt schon klar. Afrika per Bike ist eine ganz wunderbare Erfahrung.
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Blog 3 Tag 4

Bereits jetzt beträgt die Temperatur 15 Grad – und am Ende dieses Radtages werden es 35 Grad sein. Dazwischen liegen 108 Kilometer, und einige Krisen. Radtechnische Krisen, denn einer der Engländer hat gleich drei Reifenpannen – und persönliche. Bereits nach knapp 40 Kilometer beginnt mein Körper mir alle Stellen anzuzeigen, die wohl noch nicht so richtig trainiert sind. Klar, als Mountainbike-Greenhorn war das auch nicht zu erwarten. Immerhin besitze ich erst seit drei Wochen mein erstes Mountainbike, außerdem seit einer Woche meine ersten Radschuhe, und Radeln ist, abgesehen von „Touren“ in die Arbeit oder zum nächsten Supermarkt, völliges Neuland für mich. Was soll man erwarten? Zunächst meldet sich mein Kreuzbeingelenk – es ist blockiert, seit ich wochenlang mit falsch eingestellter Sitzhöhe gefahren bin. Dann protestiert mein rechtes, dann mein linkes Knie – und die rechte Wade zwickt, so dass ich immer wieder während des Fahrens dehnen muss. Schön ist das nicht, aber selbst gewählt: Der alte kanadische Leitspruch „Go hard or go home“ ist mein neues Lebensmotto. Keine Klagen also.
Dabei habe ich ohnehin noch Glück. Da einer der Engländer gleich drei Radpannen hat, werden wir unser Tagesziel nicht erreichen. So bleibt nach etwas mehr als 80 Kilometern nur die Möglichkeit, den Transferbus zu nehmen. Es ist brüllend heiß, niemand widerspricht. Als wir im Camp ankommen, bricht dennoch bereits wieder die Dunkelheit herein. Ich weiß genau, dass mir die Regenerationszeit nicht genügen wird. Wecken ist wieder einmal um 5 Uhr morgens – eine Stunde vor Sonnenaufgang.

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Blog 2

Es gibt Tage, da muss man einfach ausschlafen. Der erste Urlaubstag beispielsweise, wenn langsam die Gelassenheit einkehrt, Weiterlesen

Blog Teil 1

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Spätestens als der Zubringerflug von Kapstadt nach Livingstone in Sambia gute zehn Minuten in der Luft ist, weiß ich, was mich erwarten wird in den nächsten drei Wochen. Trockenheit, Wüste, oder eine von leichten Erhebungen unterbrochene Steppenlandschaft. Ab und an zieht sich eine Straße, manchmal nur eine Piste durch die Ebene, die bis zum Horizont reicht. Auf all das scheint unbarmherzig die Sonne. Hätte ich bisher noch keinen Respekt vor dieser Tour, würde ich ihn jetzt bekommen.
Livingstone, beziehungsweise die Camps am Ufer des Sambesi, sind dagegen eine sattgrüne Unterbrechung dieser faszinierenden Kargheit. Die Ufer sind dicht bewachsen, Bäume, Sträucher und Palmen säumen die die Landseite des Flusses, aber auch die riesigen Inseln in diesem eigenartig ruhigen Strom. Nur ein paarhundert Flussmeter weiter wird er mit einem gewaltigen Donnern nach unten stürzen.
Da der Rest der Biker erst einen Tag später eintreffen wird, steht schon einmal eine kleine Radtour an. Über eine gute Strasse, bei der nur der Linksverkehr irritierend ist, komme ich zu einem kleinen Rastplatz am Fluss. Kleine Stromstellen und die Aussicht auf einen spektakulären Sonnenuntergang reizen vor allem Einheimische. Laute Musik dröhnt aus den Boden der Autos, in Wannen ruht eisgekühltes Bier und die Madchen und jungend Frauen,die sich für die improvisierte Party schick gemacht haben, knappe Röcke tragen und nicht eben dezent geschminkt sind, tanzen im Rhythmus der Musik. Sofort werde ich auf ein Bier eingeladen, vielleicht EIN „Weltmeisterbonus“ denn sie freuen sich unheimlich, dass ich aus good old Germany bin. Es wird dunkel. und ich muss zurück, denn die Radlichter liegen noch im Zelt. Also ein bisschen Gas geben. Doch dann blinken die Autos, die mir entgegenkommen, manche halten sogar an. „be careful, Elephants.“ Zunächst glaube ich noch an einen Scherz, doch dann schälen sie sich aus der Dunkelheit. Kolosse, die noch riesiger wirken im Dunklen und nun die Straße queren. Doch es sind noch mehr als zwei. Eine Herde von fünf, sechs Elefanten reißt im Dickicht Äste von den Bäumen, um das essbare Grün abzustreifen. Die ersten Elefanten in freier Wildbahn, völlig unerwartet am ersten Tag.
doch auch der nächste soll ein Highlight bieten. Meinen ersten Bungee-Sprung, frei nach meinem neuen Motto: Wenn schon, dann richtig. Es geht exakt 111 Meter in die Tiefe. Cool, ich bin gespannt, ob ich es wage. Denn eigentlich, eigentlich habe ich Höhenangst.t

Unterhaltsames Interview bei Radio IN – Abenteuer für Vater und Sohn – und Afrika

Hier gehts zum Podcast…

„Das lässt dich nicht mehr los“

Manchmal sieht man etwas, und weiß sofort: Das lässt Dich nicht mehr los.

Genau so ging es mir vor gut einem halben Jahr.

Ich sah die Ausschreibung zu einer Biketour von den Victoria-Wasserfällen in Sambia bis nach Kapstadt, nach Südafrika und zum Kap der guten Hoffnung.

1200 Kilometer mit dem Mountainbike, unfassbar. Erst die Wasserfälle, dann das Okavango-Delta, das größte Binnendelta der Erde, das fast komplett verdunstet, die Sanddünen von Namibia, und dann teils am Meer entlang in Richtung Kapstadt. Eine unglaubliche Tour.

Fünf, sechsmal hatte ich die Ausschreibung in der Hand, wollte sie wegwerfen – und dann rief ich einfach an. „Hallo, mein Name ist Ge14 Gerhard von Kapff (Autor)rhard von Kapff. Ich bin zwar noch nie auf einem Mountainbike gesessen, ich bin ein ganz normaler, nur ein bisschen sportlicher Familienvater und hab drei, vier Kilos zu viel auf den Rippen – aber ich will mit. Geht das?“

Die Antwort war ein Zögern, und dann haben wir uns ein bisschen ausführlicher unterhalten.

 Mehr davon im zweiten Teil dieses Blogs.